„Must-haves“ und aktuelle Trends bei der Software für die Gebäudetechnik

 

Ein Bericht aus dem HeizungsJournal

 

Über "Software in der Gebäudetechnik" haben wir gesprochen mit:

  • Claude Chassot, Geschäftsführer bei Trimble Switzerland
  • Rainer Walser, Produktmanager bei Data Design System
  • Manuel Lautz, Geschäftsbereichsleiter bei Dendrit Haustechnik-Software
  • Jürgen Langensiepen, Vertriebsleiter bei ETU Software
  • Sebastian Treins, Vertrieb Süd/West bei liNear
  • Jörg Ropers, Geschäftsführer bei Tacos 

Erfolgreiche Projekte sind kein Wunder!

Die Bauindustrie und besonders die TGA stehen national und international vor der Herausforderung einer immer tiefer reichenden Spezialisierung. Die Konsequenzen: Ein Mosaik aus fachspezifischen Planungen, steigende Komplexität, unzählige Schnittstellen und Abhängigkeiten. Darüber das mächtige und allgegenwärtige Damoklesschwert: Maximal limitierte menschliche und monetäre Ressourcen (Know-how, Zeit, Geld). „Mit klassischen Planungsmethoden sind die wachsenden Anforderungen an Bauvorhaben immer weniger zu beherrschen. Aus diesem Grund wird seit mehreren Jahren intensiv an neuen IT-gestützten Verfahren geforscht. Diese werden unter dem Begriff »Bauwerksdatenmodellierung« (»Building Information Modeling« – kurz: BIM) oder »Bauwerksdatenmanagement« zusammengefasst.“

Während diese Methoden in den USA, in England oder Skandinavien schon recht weit verbreitet sind, gibt es in der deutschen Bau- und Immobilienwirtschaft noch einen großen Nachholbedarf.

Digitale Transformation“ und „Nachhaltigkeit“

Die beiden echten Mega-Trends der heutigen Gesellschaft „Digitale Transformation“ und „Nachhaltigkeit“ müssen die Treiber sein für unsere Branche, für Architekten, Ingenieure, Fachplaner, Generalunternehmer, Baukonzerne, Projektentwickler und Anlagenbauer. 

„Nicht die Großen fressen die Kleinen, sondern die Digitalen die Nicht-Digitalen“, waren sich denn auch die Teilnehmer aus den Softwarehäusern Data Design System, Dendrit Haustechnik-Software, ETU Software, liNear, Tacos und Trimble Switzerland im Rahmen des HeizungsJournal-Expertentreffs „Software für Gebäudetechnik“ einig.

Dennoch bietet sich in Sachen Nutzung von Software für die Gebäudetechnik in deutschen TGA-Ingenieur- und Planungsbüros ein heterogenes Bild. Auf der einen Seite wird standardisiert, durchgängig und gut dokumentiert mit komplexen Werkzeugen gearbeitet, auf der anderen Seite herrscht eher kreatives Chaos – dutzende Programme und „Progrämmchen“ werden je nach Anforderung „virtuos“ genutzt. „Diese Schwierigkeit ist in der Praxis in der Tat da, wird für die einzelnen Gewerke eben häufig Spezialsoftware genutzt“, beschreibt Manuel Lautz, Geschäftsbereichsleiter bei Dendrit Haustechnik-Software, die Realität in vielen Fachplanungsbüros.

Jürgen Langensiepen, Vertriebsleiter bei ETU Software, Sebastian Treins, Vertrieb Süd/West bei liNear, und Claude Chassot, Business Development bei Trimble Switzerland verweisen an dieser Stelle auf den Trend hin zu „Software aus einer Hand“. Für Fachplaner sei es essentiell, auf ein Softwarehaus bzw. einen Partner zu setzen, welcher viele Leistungen abdecken könne.

Rainer Walser, Produktmanager bei Data Design System, und Jörg Ropers, Geschäftsführer bei Tacos, betonen dagegen die herausragende Stellung der Datenhaltung und des Datenmanagements innerhalb von Planungsprozessen – unabhängig von der jeweiligen Softwarelösung. „Da die TGA sehr komplex ist, gibt es keine Komplettpakete über alle Gewerke. Viel wichtiger hierbei sind konsistente Daten und eine zentrale Datenplattform als gemeinsame Basis für die einzelnen Gewerke“, so Rainer Walser.

Jörg Ropers unterstreicht: „Wichtig sind verlässliche Daten. Da es heute keine isolierten Planungen mehr gibt, muss Software vernetzen.“

Aufklärung und Information sind wie immer alles!

Fest steht für die Teilnehmer des Expertentreffs „Software für Gebäudetechnik“, dass es unabdingbar ist, gewerkeübergreifendes Denken und Handeln zu fördern und zu fordern. Oder anders formuliert: Was nützt das ausgefeilteste, komplexeste und teuerste Software-Werkzeug, wenn der Nutzer selbst nicht „über den Tellerrand“ schauen will oder kann. Know-how ist (wie immer) die alles entscheidende Ressource! „Wissen und Weiterbildung sind wichtig“, so Jürgen Langensiepen und Manuel Lautz. Hier seien auch die Softwarehäuser gefordert, mehr zu informieren und zu kommunizieren.

Software für Gebäudetechnik ist ihr Geld wert

Das Thema „Geld“ scheint – so zumindest die Experten – nicht der limitierende Faktor in Sachen Softwarenutzung zu sein. „Der »Payback« ist da! Selbst kleine Büros können hoch-innovativ arbeiten“, hält Rainer Walser fest und räumt damit mit dem Vorurteil auf, die Einführung und Anwendung komplexer TGA-Planungssoftware sei nur für große Büros erschwinglich bzw. wirtschaftlich darstellbar.

 Was sind die „Must-haves“?

 Es ist also an der Zeit, sich von statischen und ungelenken Programmen zu verabschieden und   mit flexiblen Werkzeugen anzufreunden! Aber worauf muss man Acht geben? Welche „Must-   Haves“ benötigt ein Ingenieur- und Planungsbüro bei der Software für die Gebäudetechnik, um   in Zukunft mithalten zu können – vor allem angesichts der Tatsache, dass die Softwarelandschaft   in ständiger Bewegung ist?

 TGA-Fachplaner müssen sich auf dynamische Planungsprozesse einrichten. TGA-Fachplaner   brauchen Kontrolle über diese Planungsprozesse und müssen deren Qualität permanent   sicherstellen. Im Endeffekt muss moderne und zukunftsfähige Gebäudetechnik-Software diese   Prozesse jederzeit unterstützen können – darüber herrschte Einigkeit bei den   am HeizungsJournal- Expertentreff teilnehmenden Softwarehäusern Trimble Switzerland,   Data Design System, Dendrit Haustechnik-Software, ETU Software, liNear und Tacos.

 

Planen heißt das Bauen vorwegnehmen

„Wann startet BIM in Deutschland?“, stellt Jürgen Langensiepen provokant eine Kernfrage in den Raum. „Da müssen wir mal in die Glaskugel blicken“, lacht Manuel Lautz. „TGA-Planer stehen unter hohem Termindruck“, betont Sebastian Treins und wirft eine weitere provokante Frage ins Rennen: „Warum sollten sie in Sachen BIM mitmischen, wo die ganze Geschichte noch nicht reif genug für sie erscheint und keiner dafür bezahlen möchte?“

Eine Antwort liefert Claude Chassot von Trimble Switzerland: „Der Bauherr muss begreifen, dass die ersten Planungsschritte entscheidend sind. Und qualitativ hochwertige Planungen muss er bezahlen!“ Hierfür müssten jedoch die benötigten Rahmenbedingungen geschaffen werden – Politik, Bauherren und Verbände könnten die treibenden Kräfte sein, so Sebastian Treins. Sprich: Die Arbeitsweise BIM stellt – wenn man so will – ein neues Geschäftsmodell dar, mit allen Chancen und Risiken. Hier muss jeder Baubeteiligte selbst und vor allem unvoreingenommen prüfen, ob er sich für die Idee motivieren kann oder nicht.

Will man im „BIM-Strom“ erfolgreich mitschwimmen, so gehören eine klare Unternehmensstrategie und ein hierzu passendes Kommunikationskonzept in jedem Falle zur Grundausstattung. „Nicht innovative Firmen sterben aus. Wer nicht will, will nicht“, bringt Claude Chassot die Sache auf den Punkt. Durchaus selbstkritisch fügt Jörg Ropers aber an:

„BIM ist bisher ein Marketingbegriff. Wir Softwarehersteller müssen uns schleunigst um die konkreten Inhalte kümmern.“

Auch die Industrie, die Komponenten- und Systemhersteller seien hier gefordert, Daten in hoher Qualität zur Verfügung zu stellen, um der Bauwerksdatenmodellierung Akzeptanz zu verschaffen: „BIM ist auch für die Industrie interessant!“ Dem Thema „Datenqualität“ messen indes alle beteiligten Softwarehäuser höchste Priorität bei. Hängt die Leistungsfähigkeit der Methode doch von der Qualität des genutzten Modells ab. Rainer Walser macht sich an dieser Stelle für offene Standards stark: „Proprietäre Software bzw. Datenformate sollten der Vergangenheit angehören!“ (Anm.: Proprietäre Software = Software, die auf herstellerspezifischen und nicht veröffentlichten Standards basiert) Auf dieser Idee beruht auch der Ansatz „Open BIM“ der Initiative buildingSMART. Dieser ist aus dem Bedarf an offenen Daten-Standards entstanden, welche von den unterschiedlichen Programmen der verschiedenen Projektbeteiligten verarbeitet werden können. Hierdurch wird der interdisziplinäre Austausch konsistenter und intelligenter Bauwerksdaten möglich – unabhängig von der verwendeten Softwarelösung.

Fazit

Die geschilderten, konkreten wie diskreten Herausforderungen sowie der viel beschworene Paradigmenwechsel in der (deutschen) Bauwirtschaft können nur durch eine neue Planungskultur gemeistert werden, ganz im Sinne der „Integralen Planung“. Integrale Planung kann nämlich nicht im stillen Kämmerchen, sondern nur am runden Tisch realisiert werden. So werden aus stumpfen Schnittstellen transparente Teile in einem mehrdimensionalen Mosaik. Ganz klar: Moderne Software für Gebäudetechnik ist hier der starke Treiber. Das haben die am HeizungsJournal-Expertentreff „Software für Gebäudetechnik“ beteiligten Unternehmen eindrucksvoll gezeigt. Jetzt heißt es eben wie so oft: Im Kleinen beginnen! Auch wenn sich dadurch Aufgaben- und Weltbilder im Projekt verschieben, die eigene Rolle eventuell neu definiert werden muss. Und bitte daran denken: „Der Weg ist das Ziel!“ (Konfuzius)

Artikel aus dem Original: Heizungs-Journal Verlags-GmbH, www.heizungsjournal.de

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